Montag, 13. März 2017

Von (mehr oder weniger) großen Erkenntnissen

Heute bin ich sehr selbstzufrieden. Und  das obwohl ich eine fast eine ganze Tafel Schokolade gegessen habe und das mit den Erdbeeren und dem Nutella heute Morgen auch nicht so verlief wie geplant.
Und trotzdem ganz und gar mit mir selbst im Reinen. Oft kommt das nicht vor, aber aus irgendeinem Grund kam mir heute Mittag eine Erkenntnis. Und ja, Erkenntnis darf das in diesem Fall genannt werden.
Ich stand in der Küche und habe die Gläser, die wir beim Mittagessen benutzt haben, gespült. Der Rest des Geschirrs rumorte schon in der Geschirrspülmaschine. Gläser waschen wir aber immer mit der Hand ab. "Das macht sie sauberer", sagt meine Gastmutter. Möglich. Vielleicht wenn sie's macht, aber nicht, wenn ich das übernehme. Jedenfalls stand ich mit Akut und Schwamm bewaffnet am Spülbecken und summte vor mich hin. Gute Laune hatte ich den ganzen Tag schon, aber richtig aufwärts ging es eigentlich erst, als ich beim Spazierengehen heute Morgen einen Podcast hörte.
Beim "Einfach machen"-Podcast gehts um Marcel, der mit seinen 26 Jahren schon vieles ausprobiert hat. Vom dualen Studium, einer angefangenen und geschmissenen Doktorarbeit, einem zweiten Studium an einer alternativen Business School in Holland, wo's eher um Selbstfindung und Jonglieren ging, über Start up-Gründung bis hin zum spontanen "Ich geh dann mal nach LA und mach, worauf ich richtig Bock hab". Und da wird Marcel dann Schauspieler - oder probiert es zumindest. Er erlebt hohe Höhen und tiefe Tiefen, hat (mir) sau viele Denkanstöße gegeben (so eine alternative Business School für 650 Euro im Monat inklusive Jonglieren und Selbstfindung wär ja schon nicht verkehrt..@Mama/Papa) und mir aber insbesondere vor Augen geführt, dass alleine in der Ferne sein nicht durchgehend großartig sein muss.
Mit Marcel konnte ich mich ganz gut identifizieren. Nicht etwa, weil ich mit 20 schon ein duales Studium gepackt hätte, Start ups gegründet und Jonglieren gelernt hab, sondern weil Marcel schlechte Laune bekommt, wenn er nichts zu tun hat. Und mann, das Gefühl kenn ich. In meiner Bewerbung als au pair schrieb ich "Rather busy than bored" und das war die Wahrheit.
Konnte ja keiner ahnen, dass das au pair-Dasein in Vacarisses alles andere als spannend ist. Dass ich oft nörgele und mich beschwere, dass das hier nicht das Richtige für mich ist, ist auf eine seltsame Weise okay. Zumindest für mich. Auf andere mag das undankbar wirken, aber nur weil ich nicht zu Hause bin und dementsprechend "dankbar" dafür sein sollte, "was zu erleben", bedeutet das nicht, dass mit "was erleben" das große Glück vorprogrammiert ist. Nicht durchgehend jedenfalls, schließlich lebt man hier ja genauso wie irgendwo anders auf der Welt auch und wenn man lebt, dann gehören Emotionen eben zum Gesamtpaket dazu. Ganz simple Kiste.
Und so hab ich meine lichten Momente, meine Laune springt auf und ab und ich mach mich dafür fertig, dass ich mir so viel schlechte Laune erlaube, wo ich doch gerade im Ausland sitze und ich vor Glücklichkeit bald platzen sollte.
Heute Mittag hab ich das System allerdings mal hinterfragt - Marcel sei Dank -, mich vor den Spiegel gestellt, ein bisschen rumüberlegt und mich selbst dabei beobachtet, wie es in meinem Oberstübchen praktisch ratterte, bis ich irgendwann dahinterkam, dass mein 12-jähriges Ich mich bestimmt ziemlich cool fände, wie ich hier in Barcelona hocke (oder auch nicht) und irgendwie mein Ding durchziehe.
Und das ist sie, die große Erkenntnis des heutigen Tages: Dass ich stolz bin, da zu sein, wo ich bin. Nicht räumlich, sondern insgesamt. Denn zwischen viel Jammerei bin ich eigentlich sehr glücklich.
Wenn ich in den letzten 20 Jahren eines gelernt haben sollte, dann dass auf irgendeine Weise alles möglich ist. Ist das überoptimistisch? Wahrscheinlich. Aber vielleicht ist das auch einfach nur das Gefühl, das man in seinen Zwanzigern haben sollte. 😼

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