Statt Anfang April wieder in den Flieger nach Deutschland zu steigen, bleibe ich hier.
Ich bin ein Glückspilz. :)
Manchmal eröffnen sich Möglichkeiten ganz aus dem Nichts. So zum Beispiel, als ich vor anderthalb Monaten gefragt worden bin, ob ich nicht einen Job suche. "Ja, irgendwie schon.", lautete zu dem Zeitpunkt meine Antwort. Tja, und jetzt, anderthalb Monate später, bin ich Junior Travel Advisor bei Airbnb, habe - mit Absicht - zwei unterschriebene Mietverträge und - aus Versehen - gleich zwei spanische Bankkonten, eine spanische Sozialversicherungsnummer und sehr viel mehr Selbstbewusstsein, was mein grottiges Spanisch selbst anbelangt, das mir auf allen Behördengängen meine einzige Stütze war.
Gar nicht schlecht soweit. Und jetzt alles im Einzelnen.
Junior Travel Advisor @ Airbnb ist die Bezeichnung für den Beruf, den ich ab Montag ausüben werde. Auf Englisch klingt alles ein bisschen schicker, dachte sich Airbnb wohl. Zu Deutsch lässt sich das dann wohl schlicht und ergreifend mit "Kundenservice" übersetzen. Zack. Illusionen geraubt.
Ganz hart ließe sich das so beschreiben, dass ich fünf Tage die Woche acht Stunden lang telefonierend und emails beantwortend in einem Großraumbüro sitzen werde. Praktischerweise ist Airbnb mir gegenüber bisher aber genauso cool aufgetreten, wie ihr Image es eben verlangt, sodass der langweilige Callcenter-Alltag nach "mit Freunden aus aller Welt chillen und dabei ein bisschen arbeiten" klingt.
Besagtes Großraumbüro ist in knallbunten Farben gestrichen. Wimpel mit Länderflaggen durchziehen den lichtdurchfluteten Raum, Poster mit Weltverbesserer-Sprüchen zieren die Wände und es riecht nach Kaffee. Fairtrade natürlich. Ist ja wichtig. Niemand ist älter als 35, Hemden tragen nur die Hipster und auf der Dachterrasse lässt es sich mittags bestens in den aufgespannten Hängematten runterkommen.
Am Montag beginnt die Einarbeitungsphase. Mein Vertrag ist vorerst auf drei Monate befristet. Zu sagen, ich sei sehr sehr gespannt, wäre untertrieben.
Von Vacarisses, wo ich zur Zeit lebe, dauert es etwa eine Stunde, bis ich in der Stadt bin. Das ist mir zu lang. Ich will raus hier. Und neben diesem Befreiungsdrang zieht am 31. März außerdem schon das nächste au pair Mädchen bei meiner Gastfamilie ein. Nach etlichem Hin und Her habe ich also eine Lösung für die kommenden dreieinhalb Monate gefunden:
Bis Ende April wohne ich zusammen mit einer Holländerin in einer wirklich hübschen Wohnung am Rande vom Viertel Poble Sec. Die Mieten in Barcelona sind traumatisch hoch und so geht beinahe die Hälfte meines Gehalts fürs Wohnen drauf. Ich hab mir viele günstigere Alternativen angeschaut und mich schlussendlich aber dazu durchgerungen, so viel zu zahlen, wie eben nötig ist, um ein schimmelfreies, Schuhkarton-großes Zimmer mit Fenster in einer hübschen, geruchsneutralen, zentralgelegenen Wohnung inklusive netter Mitbewohnerin zu bekommen. Ein Zimmer, das nicht nach Pumas als Vermietern riecht, in dem man nicht auf dem Gang ins Badezimmer angeflirtet wird und wo ich mich tatsächlich wohlfühlen kann. Gar nicht so einfach zu finden.
Auf dem Screenshot hier unten ist die ungefähre Lage meiner Wohnung zu erkennen und wie lange ich von dort aus mit dem Fahrrad (das ich mir noch kaufen muss) zu meiner Arbeitsstelle brauchen werde.
Die zweite Wohnung beziehe ich dann Anfang Mai. Meine Freundin Sophie wohnt da bereits und wenn eines der drei Zimmer Ende April also frei wird, kann ich rein. Darüber bin ich sehr happy. Die Wohnung ist wirklich ausgesprochen gemütlich, die Zimmer sind groß und hell und so eine richtige Freundinnen-WG wird bestimmt lustig. Die Wohnung befindet sich im Herzen von Poble Sec direkt am Ende einer der besten Kneipenstraßen Barcelonas. Bis zum Meer sinds ungefähr fünf Minuten. Könnte also schlimmer sein. Das ganze Prozedere um dieses Zimmer war echt unkompliziert. Zur Abwechslung auch mal nett.
Behördengänge in Spanien laufen im Grunde genauso ab wie in Deutschland auch und sind deswegen auch genauso verhasst. Man zieht eine Nummer, führt einen sehr unverständlichen Bogen mit seinen Personalien aus, den es natürlich nur in Behördenspanisch gibt und der einem 200 verschiedene Angaben über das bisherige und zukünftige Leben abverlangt. Spaßige Angelegenheit. Die Wartezeiten variieren dabei von zwei Minuten über zwei Stunden bishin zu "och, blöd, jetzt warten Sie hier schon so lange, dabei hab ich doch gleich Mittagspause. Kommen Sie doch morgen einfach nochmal wieder?". Insgesamt waren sämtliche Beamte meistens allerdings echt hilfsbereit und beinahe sogar zuvorkommend. Da war ich echt beeindruckt. Zwar immer noch spanisch-temperamentvoll, aber überraschend freundlich. Vier Anläufe und etliche Irrungen hat es mich also gekostet, ehe ich spanischen Personal- und Sozialversicherungsnummern zusammenhatte. Aber immerhin.
Und das mit den Konten.. Ja, das ist ein bisschen ungünstig. "Kann passieren" wollte ich eigentlich schreiben, aber ganz so leicht passiert sowas halt eigentlich nicht. Ups.
Die nächsten Tage werden vom Packen, Aufräumen, Putzen, Bücher wegbringen, Umziehen, Fahrrad kaufen, Auspacken, Einrichten und Ankommen geprägt sein.
Merkwürdiges Gefühl zu wissen, dass in drei Tagen schon wieder alles ganz anders sein wird.
Ein bisschen Angst ist auf jeden Fall dabei und auch ein Funken Unmut darüber, schon wieder aus meiner Comfort-Zone ausbrechen zu müssen. Aber wenn man mich morgen früh nochmal fragen würde, würde ich sagen, dass ich sowas von bereit bin für neue erste Male in einer neuen Umgebung mit neuen Herausforderungen und ganz viel Neuem zu entdecken.

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